Archiv

Gemeinde Reute - Belastung landwirtschaftlicher Böden mit Schwermetallen

Die historische, bis ins Mittelalter zurückreichende Erzgewinnung und -aufbereitung im Landkreis hat dazu geführt, dass insbesondere in den Flußauen von Elz und Glotter großflächig Schwermetallbelastungen vorhanden sind, die zum Teil weit über das natürliche Vorkommen hinausgehen. Besonders beim Blei sind erhöhte Gehalte zu verzeichnen; daneben sind auch Cadmium und – in geringerem Umfang – Zink, Kupfer und Arsen auffällig.


Die Bleigehalte in natürlichen Böden bewegen sich üblicherweise zwischen 40 bis 70 mg/kg.

Die in beigefügter Karte rot markierten Belastungsflächen weisen dagegen – mit recht unterschiedlicher Verteilung – Bleigehalte zwischen 100 bis 2.000 mg/kg auf.

Die Schwermetallbelastung der ausgewiesenen Flächen war früher über lange Zeiträume wahrscheinlich noch höher. Es ist bisher kein Zusammenhang mit gesundheitlichen Schäden bekannt geworden. Die Überschreitung der inzwischen festgesetzten Grenzwerte ist  nicht mit einer akuten Gesundheitsgefährdung verbunden.

Gleichwohl sind die durch das inzwischen gültige Verbraucher- und Lebensmittelrecht festgesetzten zulässigen Höchstgehalte, die auf moderneren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, wegen der bei langfristig überhöhter Akkumulation von Schwermetallen zu befürchtenden Gesundheitsgefähr­dung nicht in Frage zu stellen.

Die für den Verbraucherschutz letztlich entscheidende Aufnahme von Schwermetallen in Nah­rungs- und Futtermittelpflanzen ist von vielfältigen zusammenwirkenden Faktoren abhängig: 

  • Ein Teil der Schwermetalle ist in den Böden gebunden und kann deshalb von Pflanzen nicht aufgenommen werden. 
  • Der verbleibende sog. „pflanzenverfügbare“ Anteil ist von verschiedenen Eigenschaften des Bodens, u.a. dem pH-Wert, abhängig. 
  • Im Lebens- und Futtermittelrecht sind für die einzelnen Pflanzenarten – einerseits – und die relevanten Schwermetalle – anderseits – verbindliche Höchstgehalte festgesetzt.

Allerdings werden die in den Böden enthaltenen verschiedenen Schwermetalle von den verschiedenen Pflanzenarten sehr unterschiedlich aufgenommen.

 Aufgrund der durchgeführten Messungen (und ergänzender Heranziehung der wissenschaftlichen Literatur) hat das Landratsamt inzwischen eine recht gute Gesamtübersicht darüber, welche Pflanzen unter den gegebenen Bedingungen als schwermetallsensibel bzw. unbedenklich einzustufen sind:

Während bei einigen Gemüse- und insbesondere Obstarten (z.B. Erdbeeren) bisher keine Überschreitungen der Höchstgehalte festgestellt wurden, waren andere Gemüsearten und Blattsalate auffällig.

 

  • Aus diesem Grunde wurde für bestimmte Gemüsearten das in der anliegenden Karte markierte Belastungsgebiet ausgewiesen. 
  • Das beigefügte (PDF)  Merkblatt enthält allgemeine Ausführungen zu den rechtlichen Grundlagen des Bodenschutz- und Lebensmittelrechtes, insbesondere auch den Pflichten des Lebens­mittelunternehmers.

  • Das beigefügte (PDF) Merkblatt enthält besondere – insbesondere auch praktische – Empfehlungen für den Gemüseanbau.

  

Das Landratsamt Emmendingen hat die vorrangigen Interessen des Verbraucherschutzes durchzusetzen, ist aber gleichermaßen bemüht, durch Anbauempfehlungen und Beratung Hilfestellungen für eine unbedenkliche weitere landwirtschaftliche Nutzung der Böden zu geben.

 Für bestimmte Flächen und sensible Gemüsearten hat das Landratsamt in wenigen Einzelfällen bereits verbindliche Untersagungsverfügungen erlassen.

 Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen, die weitergeführt und vertieft werden, ist es bei den übrigen Grundstücken innerhalb des in der beiliegenden Karte markierten Belastungsge­bietes für den Gemüseanbau ausreichend, wenn Sie die in dem beigefügten Merkblatt enthaltenen Anbaubeschränkungen für bestimmte Gemüsearten beachten.


Weitergehende differenzierte Untersuchungen können – insbesondere auch aufgrund veränderter Ein­flussfaktoren – zu weitergehenden Anbaubeschränkungen führen.

So wurden bei hoch belasteten Flächen vereinzelt auch Überschreitungen der Grenzwerte für Getreide festgestellt. Diese Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Mit gewissen Anbau- bzw. Verwendungsbeschränkungen für Getreide ist wohl zu rechnen. Die betroffenen Grundstückseigentümer wird das Landratsamt Emmendingen informieren, sobald belastbare bzw. räumlich abgrenzbare Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Nach dem derzeitigen Untersuchungsstand sind die Schwermetallgehalte in Beerenobst unbedenklich. Falls weitergehende Untersuchungen zu anderen Ergebnissen führen sollten, werden wir Sie ebenfalls umgehend informieren.

Das Landratsamt Emmendingen hat sich mit erheblichem Aufwand unter Beteiligung verschiedener – auch
externer Fachbehörden – einen recht guten Überblick über die Gesamtsituation verschaffen können. Die zuständigen Behörden führen weiterhin vertiefende Untersuchungen und Kontrollen durch.

Dies lässt die Eigenverantwortung der  „Lebensmittelunternehmer“ jedoch unberührt. Das Landratsamt weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Landwirte bzw. Erzeuger gesetzlich verpflichtet sind, eigenverantwortlich die Einhaltung der Höchstgehalte nach Futtermittel- und Lebensmittelrecht sicherzustellen. Wenn diese die im "Merkblatt für Gemüse" enthaltenen Anbaubeschränkun­gen nicht einhalten, wären sie verpflichtet, vor dem In-Verkehrbringen der Produkte, eigene Unter­suchungen (auf eigene Kosten) durchführen zu lassen. Schon deshalb wird empfohlen, die Anbaubeschränkungen für die aufgeführten Gemüsearten zu berücksichtigen.

Die beigefügten Merkblätter können Sie hier als PDF ausdrucken. Sie können die vom Landratsamt Emmendingen herausgegeben Informationen auch im Rathaus Reute, Frau Ehret, Hinter den Eichen 2, 79276 Reute  zu den üblichen Öffnungszeiten erhalten.